Mehringplatz 20

Shredding Layers

Ausstellung, Gespräch | Di. 09.06.2026 | 18:00*

Zsofia Samodai

Kuratiert von Magdalena J. Härtelova

, Mehringplatz 20, 10969 Berlin-Kreuzberg

*18:00* *Eröffnung 18:00, Gespräch 19:00, 20:00 Uhr : "Where Did It All Go Wrong" People's Anthropology for the People mit Bain, Clara Dubber, Sophia Doyle, Organizing Otherwise (Kim Sanou, Lua Mauff) (Klingeln bei : Broback Härtelova)

Zsofia Samodais Ausstellung „Shredding Layers“ versammelt Arbeiten der Künstlerin, die sich mit Bürokratie als einer Form stiller Gewalt auseinandersetzen – einer Gewalt, die nicht durch Spektakel, sondern durch Papier, Wiederholung und Verinnerlichung wirkt.

Das Projekt entspringt dem Wunsch, aus angehäuften deutschen Behördenbriefen eine Maske zu formen, wobei die Verwaltung nicht als neutrale Information, sondern als Material betrachtet wird, das sich auftürmt, niederdrückt und die Subjektivität prägt.

Begegnungen in unterschiedlichen Kontexten schärfen diese Perspektive: Die Entdeckung eines vorformulierten Mietvertrags, der in Taiwan beiläufig verkauft wird, entlarvt die Bürokratie als kommerzialisiertes Skript, während die deutsche Verwaltung Ausdauer, Konformität und anhaltende Unsicherheit verlangt. Diese Momente deuten auf die Erkenntnis hin, dass Bürokratie das Leben nicht nur von außen reguliert. Durch die Angst vor Fehlern, Verzögerungen und Fehlklassifizierungen verankert sie sich im Inneren. Die Subjekte lernen, die Institution zu antizipieren und sich im Voraus zu disziplinieren. Die Gewalt liegt in dieser Verankerung: Die Verwaltung wird zu einer mentalen Struktur, die im Körper getragen und reproduziert wird.

Die Ausstellung wird eine Übungsstation zum Thema „Institutionen verkörpern“ beinhalten, die die Besucherinnen durch ihre Erfahrungen mit infrastrukturellen Ausfällen führt, die kollektive Präsenz unmöglich machen, und Wege imaginiert, wie man institutionelle Dysfunktionen buchstäblich bekämpfen kann. Bei der Eröffnung werden mehrere Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und soziale Organisatorinnen ihre Vorschläge für Druckpunkte gegen unterdrückerische Infrastrukturen vorstellen.

Mehringplatz 20

Mehringplatz 20 ist eine Schlafzimmergalerie, die künstlerische und para-künstlerische Praktiken präsentiert, welche andere gesellschaftliche Ordnungen vorschlagen als jene, in denen wir derzeit leben. Die Installationen verschmelzen mit dem Wohnraum des Kurators, der gleichzeitig als Reinigungskraft, Wachmann und Programmdirektor des Mehringplatz 20 fungiert. Während der Ausstellungszeiten können Besucher dienstags zwischen 15 und 17 Uhr ohne vorherige Anmeldung vorbeikommen. Der Raum beherbergt zudem eine kleine Bibliothek mit Büchern, Zines, Werkzeugen, audiovisueller Ausrüstung, Kontakten und Saaten. Zu den vergangenen Ausstellungen gehörten: Cassie Thorntons Installation über Weißsein und die destabilisierenden Annehmlichkeiten der westlichen Welt mit dem Titel „White Hole: A Mythical Celestial Body“; Alicja Rogalskas „Feast“, ein Rollenspiel über die Welt nach dem Ende der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen; Bea Xus Science-Fiction-Gerät für Telepathie unter Verwendung von Menstruationsblut namens „Plastic Lattice“; oder Amy Balkins „People’s Archive of Sinking and Melting“.

Gegründet: 2020

Barrierefreiheit

Sitzgelegenheiten: Verschiedene Sitzmöglichkeiten vorhanden, darunter eine Couch, eine Bank, Stühle und Treppenstufen
Altersgruppen: für alle Altersgruppen geeignet
Sprachen: Die Veranstaltung findet auf Englisch statt; eine Flüsterübersetzung ins Deutsche oder in andere Sprachen ist nach vorheriger Anfrage unter mjhartelova@gmail.com möglich
Rollstuhlfahrer:innen / Kinderwagen: Nicht rollstuhlgerecht. Die Wohnung befindet sich im ersten Stock ohne Aufzug. Kinderwagen können im Eingangsbereich im Erdgeschoss abgestellt werden.
Hörgeschädigte / Gehörlose Menschen: Die Ausstellung enthält englische Transkripte der Audiobeiträge. Die Vorträge der Eröffnungsveranstaltung sind für hörgeschädigte Personen, die spontan vorbeikommen, nicht geeignet. Eine Übersetzung in Gebärdensprache ist nach Anfrage mindestens zwei Wochen im Voraus unter mjhartelova@gmail.com möglich.
Blinde Menschen: Nicht barrierefrei. Peer-Unterstützung und gesprochene Beschreibungen sind nach Anfrage mindestens zwei Wochen im Voraus unter mjhartelova@gmail.com möglich.
Neurodiversität: Die Ausstellung wurde unter Berücksichtigung von Neurodiversität konzipiert. Wir begrüßen unterschiedliche Arten, sich im Raum zu bewegen, mit den Objekten und dem Programm zu interagieren, sowie das Bedürfnis nach Pausen oder Stimming. Es wird einen teilweise abgeschirmten Bereich geben, der zum Durchatmen, zur Kinderbetreuung und für etwas weniger Reize zur Verfügung steht. Aufgrund der begrenzten Raumgröße und der hohen Besucherzahl beim PSF ist die Veranstaltung jedoch meist gut besucht, sodass der Bedarf an großem persönlichen Freiraum möglicherweise nicht immer erfüllt werden kann.
Weitere Hinweise: Die Galerie ist ein Apartment und rauchfrei. Wir verwenden überwiegend geruchsarme Reinigungsprodukte. In der Wohnung lebt eine Katze. Assistenztiere sind willkommen. Eltern mit Kindern sind herzlich willkommen und werden bei der Teilnahme unterstützt. Das Mitbringen eigener Erfrischungen ist willkommen.